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BudeMunkWieland

Transit 64

Roman. Hanser Verlag, München 2025. 207 Seiten. 25,00 Euro. ISBN: 978-3-446-28420-3, >>> Amazon
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Was tun, wenn sich vor der Wahl für die zweite Amtszeit eines Bundespräsidenten herausstellt, dass dieser weit mehr mit den Nazis kollaboriert hatte, als zuvor bekannt war?
Zusammen mit seinem Pressesprecher Egon Bahr entwickelt der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt einen Plan, der dieser Kandidatur mit einigem Irrwitz etwas entgegensetzen soll …
Das Autor:innen-Trio BudeMunkWieland legt nach „Aufprall“ von 2020 mit „Transit 64“ seinen zweiten Roman vor.
Das Trio bilden der Soziologe Heinz Bude, die Politologin Karin Wieland (lt. Wikipedia auch Ehefrau von Bude) und die Bildende Künstlerin Bettina Munk, die auch zu diesem Werk die Illustrationen einbrachte.
Die eigentliche Pointe, wonach Marlene Dietrich zur Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten und damit zugleich gegen Heinrich Lübke antreten soll, wird ja schon im Klappentext vorweggenommen.
Woran sich zudem die Frage anschließt: Wen interessiert das überhaupt noch?
Während der Vorgänger Roman „Aufprall“ die „No Future“-Bewegung Anfang der 1980er abhandelt, geht es in „Transit 64“ gut zwanzig Jahre weiter zurück in die Vergangenheit. Die drei Autor:innen, geboren zwischen 1960 und 1954, könnten immerhin bereits in ihrer Kindheit mit einigen Überschriften und den hier bereits genannten Namen an Rande ihres Bewusstseins in Berührung gekommen sein.
Knapp zwanzig Jahre nach Kriegsende war alles noch stark von den „Altlasten“ des Nationalsozialismus geprägt und zugleich aber u.a. auch schon vom „Wirtschaftswunder“ oder noch immer von der 1954 gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft die Rede …
Die Einschränkungen durch die Besatzungsmächte im Westen waren spätestens mit dem Beitritt der BRD in die NATO (1955) kaum mehr spürbar und es schien nur noch alles besser zu werden. Im Osten bzw. in DDR sah das ganz anders aus …
Der Titel „Transit 64“ bezieht sich inhaltlich ganz konkret auf einen Zwischenstopp von Marlene Dietrich im Generalshotel auf dem damaligen Zentralflughafen Schönefeld in der DDR. Das Jahr 1964 steht hierbei sinnbildlich für die frühen 1960er als eine Übergangszeit, die im Nachhinein noch sehr unentschieden wirkte und erst wenige Jahre später in eine große Zukunftsgläubigkeit mit einem im guten Sinne von „alles ist möglich“ pendeln sollte.
Diese Übergangszeit spürbar zu machen, ist dem Autor:innen-Trio sehr gut gelungen – einerseits trotz aller Fiktion in sich sehr plausibel, was angesichts der speziellen Vorgaben von Bude und Wieland weniger überrascht, als dass die Dialoge und Handlungsstränge tatsächlich auch den Sog eines Romanplots entwickeln und in flüssiger Sprachregelung entfaltet wurden.
Subtil erhellend, sei also auch diesem Gedankenspiel viel Erfolg gewünscht ...

Weitere Besprechungen zu Werken von Heinz Bude siehe:
Heinz Bude: Die Ausgeschlossenen (2008)
Heinz Bude: Abschied von den Boomern (2024)
Heinz Bude zus. mit Bettina Munk u. Karin Wieland: Transit 64 (2025)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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